Die Gasheizung im linken Hausprojekt - Gast-Beitrag von Unser Haus

Die Gasheizung im linken Hausprojekt#

Von Verträgen und Versammlungen: Wie unser Projekt im Spannungsfeld zwischen individueller Konsumentscheidung und politischem Aktivismus beim Thema Wärmewende agiert.

Auch mit einer bestehenden Gasheizung ist ein Umstieg auf erneuerbare Wärme heute schon möglich, und genau diesen Weg versuchen wir in unserem Wohnprojekt praktisch zu gehen. Wir kombinieren eine Wärmepumpe, die mit Ökostrom betrieben wird, mit einem bewusst gewählten Gasbezug von Anbietern wie Green Planet Energy.
Alternativ gibt es mit den Bürgerwerken ein dezentrales Modell in Kollektiveigentum, das Biogas ausschließlich aus Abfällen der Landwirtschaft erzeugt.

Für uns ist beides kein „perfekter“ Zustand, aber ein bewusster Schritt raus aus den fossilen Strukturen.


Gleichzeitig zeigt sich immer wieder die Grenze individueller Konsumentscheidungen, solange fossile Energien politisch und wirtschaftlich strukturell bevorzugt werden.

Im Kleinen entscheiden Vermieterinnen über die Heiztechnik, während Mieterinnen die Energiekosten tragen. Im Großen fließen in Deutschland jährlich 46 Milliarden in fossile Subventionen, während die Kosten der Klimakrise von der Allgemeinheit getragen werden (Quelle).

Gewinne werden privatisiert, Verluste kollektiviert. Wenn wir uns vorrangig auf individuelle Verhaltensänderungen fokussieren, kann der Blick für fossile Systeme verloren gehen und diese dadurch sogar stabilisieren, weil notwendige politische Veränderungen verzögert werden oder ausbleiben.

Dennoch sind individuelle Schritte nicht bedeutungslos: Sie senken Emissionen und machen bestehende Alternativen sichtbar. Entscheidend für echte Veränderung bleibt jedoch Aktivismus.


Auf Augsburgs Politik wird seit Langem von der Klimabewegung Druck ausgeübt. Dennoch bleibt die offizielle kommunale Wärmeplanung von 2025 mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040 hinter den Erwartungen zurück und verschiebt wirksame Maßnahmen zu weit in die Zukunft.

Das Klimacamp Augsburg zeigt mit einem alternativer Wärmeplan, was möglich wäre: Durch mehr Großwärmepumpen für Fern- und Nahwärmenetze könnte das Gasnetz, das zwangsläufig mit CO₂-Ausstoß verbunden ist, in wenigen Jahren ausrangiert werden.


Reiche für Reiche#

Der Blick auf die Bundespolitik ist aber weitaus ernüchternder. Unter Wirtschaftsministerin Katharina Reiche setzt sich ein energiepolitischer Kurs durch, der ein Rückschritt in Richtung fossiler Energien und ein Geschenk an ihre reichen Freunde ist.

Finanzielle Interessen der Gas-Lobby werden dem Wunsch nach Klimaschutz und Versorgungssicherheit der Bevölkerung untergeordnet. Das macht Reiche zurecht extrem unbeliebt bei der Bevölkerung: Nur 18 Prozent sind mit ihrer Arbeit zufrieden (zum Vergleich: Vor dem Ampel-Aus waren 33 Prozent mit ihrem Vorgänger Habeck zufrieden) (Quelle).

Dieser Unmut zeigte sich am Samstag, 18.04., als sich gegen diese Politik Protest formierte: Unter dem Motto „Energiewende verteidigen“ gingen bundesweit Zehntausende auf die Straße und forderten einen schnellen Ausbau erneuerter Energien statt neuer fossiler Abhängigkeiten. (Quelle)


Und auch lokal gibt es Widerstand: Bei den Protesten gegen Gasbohrungen in Reichling (südlich von Augsburg) gibt es erfreuliche Ergebnisse.

Durch vielfältige Aktionen der Klimabewegung und zunehmenden öffentlichen Druck hat der Kreistag seine Haltung verändert und blockiert voraussichtlich den Bau einer Erdgas-Pipeline, wodurch das Vorhaben der Firma MCF Energy deutlich erschwert wird.

Auch gesellschaftlich hat der Protest Wirkung gezeigt: In der Region wächst der Widerstand gegen die Gasförderung. Trotz dieser Erfolge bleibt das Projekt nicht endgültig gestoppt, da bereits neue Bohrpläne vorbereitet werden. Der Widerstand geht also weiter.


Was du tun kannst#

Wer zum Thema Wärmewende aktiv werden will, kann das auf vielfältige Weise tun:

  • Informiert euch über die „Koa Gas“-Bewegung in Reichling und unterstützt kommende Aktionen

  • Wechselt euren Gasanbieter zu erneuerbaren Alternativen (z. B. Bürgerwerke) und nutzt Wärmepumpen, auch im Kleinen und in Kombination

  • Kommt zum Gas-Aktionstag in Augsburg am 24.04.26:

  • Kommt zum großen Klimastreik (zweimal pro Jahr in Augsburg)

  • Besucht das Klimacamp Augsburg vom 02.06. bis 07.06. im Wittelsbacher Park (mit Programm, Küfa und Austausch)

  • Bringt eure Haltung in persönlichen Gesprächen, Leserbriefen, Bürgerversammlungen oder öffentlichen Diskussionen ein

  • Unterschreibt die Petition gegen Katharina Reiche:

  • Informiert euch kritisch über Medienberichterstattung und hinterfragt fossile Narrative, wie die Kampagne gegen Habeck und das Heizungsgesetz, vor allem getrieben durch die Bild-Zeitung

    KKR, ein Konzern, der Lobbyismus für fossile Energien betreibt und Hauptaktionär bei Springer ist, lässt eine Einflussnahme auf Bild und Co. plausibel erscheinen.
    Eine gute Analyse dazu von LobbyControl findet ihr hier


System Change not Climate Change#