Pressemitteilung von Klimaaktivist*innen am 02.02.2026 #
Auto verschrotten, nie wieder Parkplatz suchen - Klimaaktivist:innen stellen Parkplatzkurs der CSU provokant infrage #
Am Sonntag, dem 1. Februar verteilten Verkehrswendeaktivist*innen eintausend provokante Mitmach-Postkarten an Orten mit hohem Parkdruck in Augsburg. Auf den Postkarten ist ein Auto in einer Schrottpresse abgebildet, gemeinsam mit der Aufschrift “Nie wieder Parkplatz suchen”.
Die Verkehrswendeaktivist*innen wollen damit die Perspektive auf die Parkplatzsituation wechseln: “Sind es tatsächlich zu wenig Parkplätze, oder vielmehr zu viele Autos für eine Stadt?” stellt die Postkarte infrage.
Auf den ersten Blick wirken die Postkarten wie eine Aufforderung das eigene Auto sofort zu verschrotten, aber die Aktivist*innen haben weiter gedacht, wie Jonas Eßer (24) beschreibt: “Schlechte Radwege, lange Wartezeiten an Fußgängerampeln und ein langsamer Tram-Takt sorgen dafür, dass die meisten Wege in Augsburg mit dem Auto schneller sind als mit anderen Verkehrsmitteln. Das muss sich ändern, damit die Augsburger*innen weniger abhängig vom Auto werden.” Auf der Rückseite der Postkarte befindet sich dafür ein vorformulierter Text, der direkt an die Oberbürgermeisterin Eva Weber geschickt werden kann. Er fordert sie dazu auf, mehr für eine Verkehrswende und die Reduktion des Autoverkehrs zu tun. Somit ist die Postkarte hinter dem Scheibenwischer weniger eine Aufforderung das eigene Auto zu verschrotten und mehr ein Appell für eine klimagerechte Verkehrswende. “Wir wollen dennoch auch nochmal darauf hinweisen, welche Vorteile es hat, auf das eigene Auto zu verzichten. Ist es entspannter 5 Minuten auf die Tram zu warten oder ewig einen Parkplatz zu suchen?” so Eßer.
Die Aktivist*innen weisen auch auf die Diskussion über den Radweg wie vergangenen März in der Kriegshaberstraße hin[1]. Nach Bedenken der Anwohnenden wurde die Verstetigung des Fahrradwegs aufgeschoben. “Es ist typisch, dass Radwege gegen Parkplätze ausgespielt werden. Dabei führen durchgängige Radwege auf Dauer dazu, dass Anwohner*innen weniger abhängig vom Auto sind. Dadurch sinkt der Bedarf für Parkplätze.” erklärt Eßer. Zudem zeigen wissenschaftliche Studien, dass sogenannte Push-Faktoren, die den Autoverkehr unangenehmer machen, wie beispielsweise der Wegfall von Parkplätzen, zu selten umgesetzt werden[2]. Dabei sind diese für eine gelungene Verkehrswende besonders wichtig.
“Wie viele Autos soll Augsburg denn noch ertragen, welcher Wohnraum soll noch für Parkraum geopfert werden und wie viel Lärm wollen wir in unserer Stadt?” fragt Eßer.
Als Vorbild für eine gelungene Verkehrswende gilt Paris. Dort wurde das Radwegenetz seit den 90-er Jahren ausgebaut. Dadurch ist man mit dem Fahrrad besonders in der Rushhour schneller unterwegs als mit dem Auto. Der Umstieg auf das Fahrrad wird von der französischen Regierung außerdem finanziell unterstützt.[3] Etliche Uferstraßen an der Saine sowie das historische Zentrum wurden in verkehrsberuhigte Zonen umgewandelt und begrünt. Heute werden nur noch vier Prozent der Strecken innerhalb des Pariser Kerngebiets mit dem Auto zurückgelegt, fast dreimal so viele mit dem Fahrrad.[4]
Quellen #
https://www.augsburger-allgemeine.de/augsburg/augsburg-entscheidung-ueber-radweg-in-der-kriegshaberstasse-aufgeschoben-106680157
https://www.isi.fraunhofer.de/de/blog/2021/klimamobilitaetsplaene/anhang1.html
https://www.mobil.nrw/verbinden/blog/mobilitaet-in-paris-verkehrswende-ohne-kompromisse.html
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/energie/paris-verkehrskonzept-100.html