Nicht nur zum Spaß – Radlnacht sendet starke politische Botschaft#

Unter dem Motto “Lücken schließen – für ein durchgängiges, sicheres und komfortables Radwegenetz in Augsburg” findet am Samstag den 18.07. die 3. Augsburger Radlnacht-Demo statt.

Die Organisator*innen wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig sicheres Radfahren zu allen Jahres- und Tageszeiten ist. Sie fordern Oberbürgermeister Dr. Florian Freund und die neue Stadtregierung auf, konkrete Maßnahmen zum Lückenschluss im Radwegenetz zügig umzusetzen.

Die vielen Teilnehmenden der Radlnacht unterstreichen die Bedeutung des Radverkehrs für die Bürger*innen in Augsburg. Das Organisations-Team rechnet mit 2.000 Fahrradfahrenden.

Finanzierung des Umbaus der Fuggerstraße

Der Beschlussvorlage BSV/26/00123 des Stadtentwicklungs-, Mobilitäts- und Planungsausschusses vom 09.07.2026 ist zu entnehmen, dass “die […] [gesamte] Finanzierung […] aus Mitteln für den Ausbau von Geh- und Radwegen [erfolgen soll,] mit der Folge, dass es bei der Umsetzung von anderen Fuß- und Radverkehrsprojekten zu zeitlichen Verschiebungen kommen wird.” 1.

Dies sei laut Radlnacht-Organisationsteam ein Beispiel dafür, dass die neue Stadtregierung ihre Wahlversprechen für die Verbesserung des Radverkehrs nicht konsequent einlöst. [2; “Freie Fahrt fürs Rad: Du und dein Rad kommen sicher durch Augsburg; dafür sorgen wir dank durchgängiger Radwege und neuer Fahrradtrassen.”] Stattdessen soll hier Autoinfrastruktur auf Kosten der Fußweg- und Fahrradinfrastruktur gebaut und finanziert werden, um das Wahlversprechen “Fugger-Promenade” 3 einzulösen. Mit Geld, das für sichere und durchgängige Radverbindungen fehlen wird. Die Fuggerstraße wird auch nach dem Umbau eine Autostraße sein. Dass die veröffentlichte Illustration der umgestaltete Fuggerstraße keine Autos zeigt, kann zusammen mit der Formulierung “Es fallen […] nicht mehr genutzte Autospuren weg” 7 zu einer Täuschung und späteren Enttäuschung der Bürger*innen über das Endergebnis führen.

Sichere und durchgängige Radverbindungen

Viele Augsburger*innen fahren täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit oder zur Schule. Doch an vielen Stellen fehlen sichere und durchgängige Radverbindungen: Radwege enden überraschend, Kreuzungen sind gefährlich gestaltet und wichtige Verbindungen zwischen Stadtteilen sind unzureichend ausgebaut – und das selbst auf zentralen Strecken wie der Donauwörther Straße und der Achse Schaezlerstraße - Königsplatz.

“Eine moderne fahrradfreundliche Stadt braucht ein lückenloses und sicheres Radwegenetz, das es Menschen ermöglicht, alltägliche Wege zuverlässig mit dem Fahrrad zurückzulegen.” erklärt Stefan Sohnle. “Mit der Radlnacht fordern wir Oberbürgermeister Dr. Florian Freund auf, Verbesserungen im Radwegenetz schneller umzusetzen. Wir müssen endlich weg von der autofokussierten Verkehrspolitik!”

Die Zahl der zugelassenen KFZ in Augsburg steigt nach wie vor und das Ziel, dass 25 % aller Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden, hat die Stadt immer noch nicht erreicht 4, 5, 6. In der vergangenen Legislaturperiode sind einige Verbesserungen für den Radverkehr umgesetzt worden, unter anderem durch den “Radvertrag” zwischen den Initiatoren des Bürgerbegehrens und der Stadtregierung. Nun fehlen jedoch konkret geplante Maßnahmen, es droht eine Umsetzungslücke, kritisieren die Aktivist*innen. Die erst in einigen Jahren kommenden Radvorrangrouten sind zwar ein großer und wichtiger Schritt zur Verkehrswende. Dabei dürfen die aktuell genutzten, alltäglichen Radwege und ihre gefährlichen Stellen jedoch nicht vergessen werden.

Sozial gerechte, inklusive Verkehrswende

Das Ziel der engagierten Bürger*innen, die die Radlnacht seit 2024 zusammen mit dem ADFC, Fridays for Future und weiteren Gruppen organisieren, ist eine sozial gerechte Verkehrswende.

Bei der Startkundgebung der Radlnacht um 20 Uhr kommen Schüler*innen der Stadtschülervertretung zu Wort sowie Menschen mit Mobilitätseinschränkung, die auf “Spezialfahrräder” angewiesen sind, um selbstständig mobil sein zu können. Damit zeigt die Radlnacht, wie wichtig eine bessere Fahrradinfrastruktur und Verkehrsberuhigungen sind, damit alle Menschen sicher und klimafreundlich unterwegs sein können.

Der gesellschaftliche Wandel hin zu einem nachhaltigen, klimafreundlichen und vernetzten Verkehrssystem soll allen Menschen Teilhabe ermöglichen, in dem der motorisierte Individualverkehr reduziert und stattdessen öffentliche Verkehrsmittel (ÖPNV), Radverkehr, Fußverkehr und Carsharing gefördert werden.

“Für klimafreundliche Mobilität für alle müssen wir Flächen und Privilegien, die aktuell dem Autoverkehr gegeben werden, stattdessen dem ÖPNV, dem Fuß- und Radverkehr zu Gute kommen lassen. Mit weniger motorisiertem Individualverkehr kommen alle besser voran. Nur so ist eine lebenswerte Stadt in Zukunft möglich!” so das Radlnacht-Team.

Quellen#