In Großaitingen will Oneo wieder nach Öl bohren. Doch das birgt nur Gefahren für Klima und Natur. Die zu erwartenden Ölmengen sind nicht relevant fürdie Versorgungssicherheit und die einzige Motivation für die Bohrung ist der Gewinn eines klimazerstörenden Konzerns.
Aber lasst uns das mal sauber aufschlüsseln.
Warum wir 2026 immer noch über neue Ölbohrungen in Deutschland sprechen müssen#
Oneo hat von Wintershall über 40 Jahre alte Bohrungen übernommen und 2023 schon neue Bohrungen erschlossen. 1 Doch Oneo hat noch nicht genug. Der Konzern will sich noch weiter an den jahrmillionen alten Ressourcen unserer Erde bereichern und das Ölfeld “Schwabmünchen” in richtung Norden erweitern. Darum haben sie jetzt das Gebiet “Wertach” ins Visier genommen und möchten dort über 1200 Meter tiefe Löcher bohren um unsere Erde auszubeuten. 2
Brauchen wir das Öl?#
Viele meinen, dass uns “Deutsches Öl” unabhängig macht und wir lokale Bohrungen brauchen. Lasst uns dazu mal anschauen ob das stimmen kann.
Spoiler: Nein
In Deutschland wurden 2024 87,9 Mio. Tonnen Erdöl verbraucht von denen 1,6 Mio. Tonnen in Deutschland gefördert wurden. 3 Das bedeutet es wurden gerade mal rund 1/50 (1,8%) des benötigten Erdöls in Deutschland entnommen. Wenn wir uns jetzt die zwei aneinander liegenden Ölfelder Aitingen und Schwabmünchen anschauen, dann wird es noch lächerlicher. Die zwei Ölfelder lieferten 2024 zusammen 31916 Tonnen Erdöl 4 und damit gerade mal ~0.03% des deutschen Bedarfs. Ein so verschwindend geringer Anteil wird nicht zu einer Unabhängigkeit beitragen.
Generell können wir also sagen, dass wir uns nicht durch Bohrungen in Deutschland unabhängig machen können.
Wofür wird Erdöl eigentlich verwendet?#
Wir wissen, dass wir Erdöl für Benzin und Diesel benötigen. Viele Heizen auch mit Erdöl. Das sind alles Anwendungen in denen Öl einfach nur verbrannt wird. Wir haben uns gefragt wie viel von dem Erdöl, das wir verbrauchen, eigentlich verbrannt wird und wieviel für anderes verwendet wird.
Wenn wir uns anschauen wofür wir in Deutschland Öl verwenden, dann sehen wir, dass 86% verbrannt werden. Die restlichen 14% werden in der Petrochemie benötigt und vor allem zu Plastik (und Schmier- bzw. Hydraulikölen) verarbeitet.
Was uns wirklich unabhängig machen würde#
Eine Elektrifizierung würde uns deutlich unabhängiger machen. Denn Strom können wir auf einem klimaschonenden Weg herstellen.
Weit über 3/4 unseres Ölbedarfs fließen in Tanks von Autos und Ölheizungen. Wenn wir konsequent Bahntrassen elektrifizieren würden, den ÖPNV ausbauen, Fahrradfahren sicher und attraktiv gestalten und den verbleibenden Verkehr auf elektrischen Antrieb umstellen, dann macht uns das unabhängig. Gleichzeitig könnten wir erneuerbare Energien fördern und Anreize schaffen sich Heizungen einzubauen, die keine fossilen Energien benötigen.
Auch die Umwelt ist in Gefahr#
Ölbohrungen birgen aufgrund des massiven Eingriffs in die Natur ein unnötiges Risiko. Außerdem benötigen sie auch immer neue Ölpipelines, welche ein zusätzliches Risiko darstellen. Mit diesem Risiko hat Oneo bereits Erfahrung gemacht. Oneo hat nicht nur bei Schwabmünchen Bohrungen sondern betreibt unter anderem auch bei Landau Ölbohrungen. Hier ist 2025 ein Ölleck in einer Pipeline aufgetreten. 5 Durch das neue Aufsuchungsgebiet fließen Wertach und Singold, welche wichtiger Raum für viele Tierarten sind und nicht gefährdet werden sollten.
Was können wir gegen Ölbohrungen tun?#
Die Anti-Atomkraft und Anti-Gentechnik Bewegungen haben gezeigt, dass die Zivilgesellschaft viel erreichen kann. Greenpeace hat in den 90er Jahren den rießigen Konzern Shell dazu gezwungen Ölplattformen nicht mehr einfach im Meer zu versenken, sondern sie an Land zu zerlegen und eine weiteren Entsorgung zuzuführen. Aktuell können wir auch im nahegelegenen Reichling sehen, dass eine Organisation von Anwohnenden gemeinsam mit BUND Naturschutz und Greenpeace wichtige Aufmerksamkeit auf die Probleme dieser fossilen Projekte legen kann. Oneo braucht die Unterstützung von der Bayerischen Landesregierung und möchte die Kosten für die Bohrung möglichst niedrig halten. Zusammen mit Umwelt- und Klimagruppen kann so viel Druck auf die Politik gemacht werden, dass diese durch hohe Auflagen die Bohrungen unmöglich macht oder die Kosten so hoch treibt, dass sich die Bohrungen nicht mehr rentieren. Vor Ort können Infostände und Demonstrationen den Konzern selbst auch unangenehm werden. Denn die Mitarbeitenden wollen auch ohne schlechtes Gewissen arbeiten und können den Konzern von innen beeinflussen.
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https://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/neue-oelbohrungen-auf-dem-lechfeld-oneo-plant-erkundungen-in-wertachgebiet-110725108 ↩︎
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https://www.sueddeutsche.de/bayern/augsburg-protest-oelfoerderung-voralpenland-oneo-grossaitingen-li.3372795 ↩︎
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https://www.bgr.bund.de/DE/Themen/Rohstoffe/Downloads/Downloads-MR/rohsit-2024.html?nn=336162 ↩︎
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https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/erdoel-aus-defekter-leitung-in-landau-ausgetreten-100.html ↩︎